Button zum Anfang
Logo der Klinikclowns Steinfurt Ballons der Klinikclowns
Klinikclowns im Kreis Steinfurt e.V.

„Sag deinem Gesicht, was du fühlst“

Klinikclowns gehen in Fortbildung weg vom Spiel hin zum Sein

„Sag deinem Gesicht, was du fühlst“

Die Workshop-Gruppe der Klinikclowns mit (hinten ab 2. v. l.) Isabel Oestreich, Olinda Marinho e Campos, Workshopleiterin Hilde Cromheecke, Susanne Ratzmann, Endrik Thier, Michael Motz sowie (vorne) Michael Westermeier. (Nicht namentlich genannt: zwei weitere Teilnehmerinnen.)

Hamm. Wo bin ich hier gelandet!?, sagt das Gesicht von Endrik Thier. Der Neuzugang der Klinikclowns im Kreis Steinfurt war zum ersten Mal bei einer der anspruchsvollen externen Fortbildungen, die die Clowns einmal jährlich absolvieren – in diesem Jahr bei Hilde Cromheecke in Hamm. „Genau davon wünsche ich mir mehr!“, bestärkt ihn die Trainerin. Denn genau darum geht es in der Fortbildung „Fooling“ (eng. fool: Narr): zu fühlen, was gerade in einem ist, und das durch Gesicht und Körper zu zeigen. Gar nicht so leicht – und gerade zu Beginn einer Klinikclown-Karriere sehr verwirrend.

Hier zeigt sich einmal mehr, dass es bei den Klinikclowns nicht darum geht, irgendwelche Szenen zu spielen, die die Lachmuskeln reizen. „Es war die beste Fortbildung, die wir jemals gemacht haben“, sagt Susanne Ratzmann, erfahrene Klinikclownin, und berichtet davon, wie sie das Gelernte sofort am nächsten Tag als Clownin „Molly“ in ihrer Arbeit umsetzen konnte: „Wir trafen auf eine jüngere Frau mit Alzheimer, die sehr schlecht drauf war und überhaupt nicht angesprochen werden wollte, immer nur den Kopf schüttelte. Dank der Fortbildung hat sich Molly dennoch getraut, sich zu ihr zu setzen und einfach zu warten, was passiert. Die Frau hat dann mit dem Fuß gewippt – und Molly hat ebenfalls mit dem Fuß gewippt. Und dann hat die Frau sie angelacht. Das war wie ein Geschenk.“

Was mitunter merkwürdig anmutet, ist anspruchsvolle Arbeit: Der “Narr” im Menschen wird geweckt.

Dass der Funke so stark überspringt, funktioniert nur, wenn der Klinikclown ganz bei seinen Gefühlen im Augenblick ist und diese ausdrückt. Geübt hatte Susanne Ratzmann das in der Fortbildung noch, indem sie Wasser war. „Ich konnte richtig spüren, wie ich als kleines Bächlein über Steine sprang. Und wenn man die anderen bei ihren Übungen beobachtete, war das absolut berührend“, erinnert sie sich. Aber eben auch sehr anspruchsvoll und manchmal etwas verwirrend.

„Es war sehr mutig von Endrik, diese Fortbildung mitzumachen“, sagt seine Clownkollegin Ratzmann. „Für uns Clowns hat diese Fortbildung nicht nur unheimlich viel für den Einzelnen gebracht, sondern die Verbundenheit zwischen uns so enorm gestärkt. Wir haben noch einmal sehr intensiv erfahren, wer jeder von uns als Mensch ist.“ Stellt es nicht dar, seid es – immer wieder ermutigte Cromheecke die Teilnehmer zu intensivem Ausdruck. Und ergänzte damit die monatlichen internen Clowntrainings der Klinikclowns im Kreis Steinfurt durch ihre Erfahrung und ihre Qualitäten als Coach.

Susanne Ratzmann (l.) drückt körpersprachlich aus, was sie fühlt.

„The Fool“, der Narr, ist keine Spielfigur, sondern ein Bündel von Eigenschaften: offen, eins mit sich selbst, bereits fürs Extreme, spontan, präsent, humorvoll, geistig unabhängig. Provokant und witzig spiegelt er die menschlichen Verhaltensweisen und Emotionen – genau richtig, wenn es darum geht, kranke, alte oder demente Menschen aus ihrer Starre zu lösen, und damit äußerst wertvoll für die tägliche Arbeit der Klinikclowns, ob im Seniorenheim oder in der Begegnung mit Kindern und Jugendlichen.