„Kannst du mich nicht adoptieren?“
Klinikclown ermutigt in auswegloser Lebenssituation

Der Kontakt im Altenheim ist anders: Heute ist wenig „Clown“ angesagt und viel Zuhören.
Kreis Steinfurt. Clown „Konrad“ und Waltraud* haben sich vor einigen Jahren im Seniorenstift kennengelernt. Damals ging Clownskollegin „Mimi“ noch mit in die Clownsvisite, mittlerweile besucht „Konrad“ Waltraud allein, denn zwischen den beiden besteht ein spezieller Kontakt, der persönliche Besuche ermöglicht.
„Von Anfang an habe ich mich gefragt“, erinnert sich Westermeier, „wieso Waltraud in diesem Haus ist, sie ist ja noch nicht so alt.“ Nach einiger Zeit hat er durch Gespräche mit ihr erfahren, dass sie Parkinson hat. „Das ist eine üble Erkrankung und sie wird immer schlimmer“, beobachtet er, „Waltraud möchte so viel mehr noch machen, doch ihre Krankheit lässt das nicht zu und das frustriert sie. Parkinson nimmt ihr die Lebensfreude und Lebenskraft.“ Waltraud zieht sich immer mehr auf ihr Zimmer zurück.
Der Clown nimmt sich daher Zeit für sie, während seine Kollegin bereits weitere Zimmer aufsucht, denn Waltraud hat einen sehr großen Bedarf, einfach zu erzählen. Und so ist es an diesem Tag ein eher ungewöhnlicher Clownsbesuch, mit wenig „Trallala-Hoppsassa und Jokes“, wie „Konrad“ es ausdrückt, sondern ein ganz normaler Besuch, wie ihn jeder mit einem offenen Ohr und geöffnetem Herzen machen könnte.
Die noch junge Frau, gemessen am Alter der anderen Bewohner, möchte am liebsten raus aus dem Stift, fühlt sich unterfordert. „Das Thema kommt immer wieder“, sagt Westermeier, „an schlechten Tagen muss ich ihr Zeit geben, doch dann blitzt der ganz feine Humor auf, den Waltraud hat.“ Sie habe den Schalk im Nacken, aber manchmal brauche es, bis der zum Tragen kommt. Bis sie die Wunsch-Lösung für ihre Situation mit Humor formulieren kann und im Scherz fragt: „Kannst du mich nicht adoptieren?“ Beide wissen, dass das natürlich nicht geht, aber es zeigt, wie wichtig der persönliche Kontakt ist, den die regelmäßigen Besuche schenken. Mit der Kraft des Humors lassen sich auch aussichtslose Situationen leichter ertragen.
„In unseren Gesprächen fragt Waltraud auch nach mir und dann verlasse ich die Clownsebene und erzähle zum Beispiel von meinem Enkelkind.“ Aus über 20 Jahren Erfahrung weiß Westermeier, dass der Kontakt in Altenheimen anders ist. „Ich habe schon viel Blödsinn mit Leuten erlebt, aber häufig haben die Menschen einfach großen Redebedarf, freuen sich, wenn jemand exklusiv für sie da ist und interessiert an ihnen.“ Auf Nachfrage duzen sich Clown und Bewohner – und wenn mal jemand nicht da ist, fragt der Clown nach und erfährt, dass dieser Jemand zum Beispiel gerade im Krankenhaus ist.
Mit Waltraud verspürt der Clown „eine Menge Mitgefühl“ für die „harte Nummer“, die ihr Leben ist. „Der persönliche Kontakt ist sehr hilfreich, das ernste Auf-sie-Eingehen“, weiß er. Auch diesmal lässt er Waltraud einen Luftballon da als Andenken an seinen Besuch und schreibt etwas Ermutigendes darauf. „Das gehört einfach dazu.“
*Name von der Redaktion geändert.


